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Grundkurs Hygiene - Händewaschung

Die folgenden Inhalte stammen aus dem Grundkurs Hygiene, der Teil des meduplus-Pflichtschulungspakets ist.

Die Händewaschung beinhaltet die Anwendung einer Waschlotion ohne antimikrobielle Wirkung mit dem Ziel, die Hände zu reinigen.

Indikationen

Die Händewaschung erfolgt zu Arbeitsbeginn, um Schmutz und Bakteriensporen zu entfernen. Risikoabhängig kann sie auch vor Essenszubereitung und -verteilung, nach Toilettenbenutzung und nach dem Naseputzen durchgeführt werden. Schließlich erfolgt sie aus ästhetischem Bedürfnis, z.B. nach Ablegen von Einmalhandschuhen zur Entfernung von Handschweiß. Sofern Krankheitserreger nicht durch Händedesinfektion abgetötet werden können, ist die Entfernung lose adhärierter Mikroorganismen durch Händewaschung die einzige Möglichkeit zu deren Entfernung, z.B. bei Kontamination mit Bakteriensporen, Helminthen, Cryptosporidien, Oocysten und Protozoen.

Achtung!
Bei Durchfall und nach dem Naseputzen bei Atemweginfektionen muss eine Händedesinfektion erfolgen.

Auswahl der Flüssigseife

Wegen der Hautverträglichkeit sollte der pH-Wert flüssiger Seifen neutral oder schwach sauer sein. Nach dem Waschen muss die Haut abgetrocknet werden, um Hautschäden vorzubeugen. Die Anwendung von Seifen ist in allen Merkmalen (transepidermaler Wasserverlust, Entfettung, Hautrauhigkeit, Schuppung, Austrocknung) wesentlich unverträglicher als die Anwendung alkoholischer Händedesinfektionsmittel.

Feste Seifen sind untersagt, weil sie kontaminiert werden.

Für flüssige Seifen ist die Verwendung von Einmalflaschen zu empfehlen, weil Aufbereitung und Nachfüllen mit Kontaminationsrisiken verbunden sind. Im Fall eines Ausbruchgeschehens sollten auch flüssige Seifen in Umgebungsuntersuchungen einbezogen werden, da diese Quelle für Gram-negative Bakterien waren.

Händetrocknung

Konventionelle Heißlufttrockner sind für Gesundheitseinrichtungen ungeeignet, weil die Trocknungswirkung im Vergleich zum Handtuch geringer ist. Nur Jet Air-Händetrockner mit Infrarot erwiesen sich bei 10 s Anwendung dem Papierhandtuch gleichwertig.

Die Translokation von Bakterien von den Händen auf Kontaktflächen kann in hohem Maße herabgesetzt werden, wenn die Hände sorgfältig getrocknet werden. Nach Händewaschung wird durch Papier- oder Textilhandtuch wesentlich mehr Restflora als durch Heißlufttrockner entfernt. Ferner ist bei der Auswahl des Trocknungssystems zu berücksichtigen, dass Nutzer bezüglich Komfort und Nutzerfreundlichkeit Handtuchspender gegenüber Heißlufttrocknern bevorzugen und die Lärmbelastung bei „Jet Air-Trocknern“ in 0,5 m Entfernung 94 dB erreicht. Für einen „Airblade- Trockner“ wurde ermittelt, dass die Anzahl freigesetzter Tröpfchen beim Trocknungsvorgang höher war und weiter reichte als bei Benutzung eines Papierhandtuchs. Die Autoren schließen nicht aus, dass bei Vorhandensein von Pathogenen auf den Händen die Umgebung mit ihnen kontaminiert werden könnte, so dass diese Trockner in medizinischen Einrichtungen und speziell in Baderäumen ungeeignet sein dürften.

Ausstattung medizinischer Handwaschplätze

Handwaschplatz

Ein hygienischer Handwaschplatz umfasst ein ausreichend groß dimensioniertes, tief ausgeformtes Waschbecken ohne Überlauf und ohne Siphonstopfen sowie Versorgung mit warmem und kaltem Wasser. Der Waschplatz muss mit wandmontierten Spendern für Händedesinfektionsmittel und Seifenlotion, mit Handpflegemittel und mit Einmalhandtüchern ausgestattet sein.

Handwaschplätze müssen in Räumen vorhanden sein,

  • in denen diagnostische oder invasive Maßnahmen stattfinden,
  • die der Vorbereitung solcher Maßnahmen dienen,
  • in der Nähe unreiner Arbeitsbereiche,
  • nicht aber im Arztdienstzimmer.

Für jedes Patientenzimmer muss eine für die Beschäftigten leicht erreichbare Waschgelegenheit möglichst in der Sanitärzelle verfügbar sein, die analog wie der Handwaschplatz ausgestattet sein sollte. Für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ist gemäß TRBA 250 die Verfügbarkeit von Spendern für Hautreinigungsmittel als Mindestschutzmaßnahme vorgeschrieben [Kat. IV].

Waschbecken

Alle Waschbecken, die von Beschäftigten mit direktem Patientenkontakt genutzt werden oder sich in kritischen Bereichen befinden, müssen ohne Handkontakt mittels Fuß-, Kniehebel- oder Ellbogen-Einhebelbedienungen zu bedienen sein.

Lichtschrankenarmaturen sind nicht optimal

Lichtschrankenarmaturen sind kritisch zu bewerten, weil das Magnetventil, das den Wasserstrom freigibt, meist 40-50 cm unterhalb der Hahnebene liegt, d. h. im Ruhezustand steht in der Armatur eine Wassersäule, in der sich Nonfermenter ansiedeln können, was Ursache von Ausbrüchen war.

Papierhandtuchspender

Papierhandtuchspender

Papierhandtuchspender sollen die Einzelhandtücher mit Z-Faltung, bei der sich beim Herausziehen eines Handtuchs bereits das nächste Handtuch vorschiebt, zur leichten Entnahme ohne Notwendigkeit der Berührung der Entnahmeöffnung präsentieren. Für die gebrauchten Handtücher muss ein Sammelbehälter (Papierkorb bzw. Plastiksack) vorhanden sein und dieser muss regelmäßig entleert werden. Alternativ kommen Retraktivspender mit automatischem Handtuchvorschub in Betracht.

Spender für Flüssigseife

Spender für Flüssigseife

Im Hinblick auf das Risiko der mikrobiellen Besiedelung sind Seifenspender deutlich kritischer einzuschätzen als mit alkoholischen Händedesinfektionsmitteln befüllte Spender. Nach einem Handkontakt mit dem Auslass des Seifenspenders können Erreger akquiriert und weiter verbreitet werden. Daher soll der Spender für Flüssigseife leicht entfernbar, für thermische Wiederaufbereitung hitzestabil und zur Verwendung von Einmalcontainern geeignet sein. Ein Nachfüllen des Spenders ohne ordnungsgemäße Wiederaufbereitung ist abzulehnen.

Der Verzicht auf Überlauf und Ablaufverschluss (Stöpsel) erscheint am Waschbecken nicht nur hygienisch plausibel. Vielmehr konnte der kolonisierte Überlauf auch als Ursache einer Häufung von Serratia liquefaciens Infektionen identifiziert werden.

Offene Demo | Paket Pflichtschulungen: Händehygiene