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Parasitologie

Zeckenspeichel – ein biologisches Hochleistungssekret

Zecken sind weit mehr als lästige Blutsauger. Sie sind kleine Meister der Tarnung und Manipulation. Ein entscheidender Grund dafür ist ihr Speichel. Denn bevor die Zecke überhaupt mit dem Saugen beginnt, injiziert sie eine komplexe Mischung von Substanzen in die Haut ihres Wirts. Diese Speichelflüssigkeit ist ein evolutionär perfektioniertes Werkzeug, das mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllt. Sie sorgt dafür, dass der Wirt den Stich nicht bemerkt, dass das Blut flüssig bleibt und dass das Immunsystem ausgetrickst wird. 

Warum Zeckenbisse schmerzlos sind 

Ein typisches Merkmal von Zeckenstichen ist, dass sie meist völlig unbemerkt bleiben. Anders als bei Mücken oder anderen Insekten juckt oder brennt der Stich nicht und das ist kein Zufall. Der Grund liegt im Speichel der Zecke. Er enthält lokalanästhetische Substanzen, also natürliche Betäubungsmittel, die gezielt die Schmerzrezeptoren in der Haut blockieren. Dadurch spürt der Wirt weder den Einstich noch das Saugen und die Zecke kann sich stunden- oder sogar tagelang ungestört vollsaugen. 

Was genau ist im Zeckenspeichel enthalten? 

Der Speichel einer Zecke ist extrem komplex. Er enthält hunderte, möglicherweise sogar über tausend verschiedene Eiweiße und andere Moleküle. Viele dieser Substanzen haben gezielte Wirkungen auf die physiologischen Prozesse des Wirts. 

 

Hemmung der Blutgerinnung 

Um an das Blut des Wirts zu gelangen, muss die Zecke verhindern, dass es an der Einstichstelle gerinnt. Dafür enthält ihr Speichel unter anderem: 

  • Antikoagulanzien: verhindern die Bildung von Fibrin, einem Hauptbestandteil von Blutgerinnseln 
  • Thrombozytenaggregationshemmer: unterbinden das Verklumpen der Blutplättchen 
  • Vasodilatatoren: weiten die Blutgefäße, um den Blutfluss zu erleichtern 

 

Immunsystem austricksen 

Der Speichel der Zecke wirkt immunmodulierend. Das bedeutet, er unterdrückt oder manipuliert gezielt die Abwehrreaktionen des Körpers: 

  • Hemmstoffe von Zytokinen und Chemokinen: verhindern, dass Entzündungszellen zur Einstichstelle gelangen 
  • Komplementinhibitoren: blockieren Teile des angeborenen Immunsystems 
  • MIF (Macrophage Migration Inhibitory Factor): hemmt gezielt die Wanderung von Makrophagen, also Fresszellen 
  • Salivare Proteine wie Evasins: binden entzündungsfördernde Signalmoleküle und neutralisieren sie 

 

Veränderung der Gefäßwände 

Zecken können über bestimmte Enzyme die Durchlässigkeit der Blutgefäße erhöhen. So kann Blut leichter austreten, ohne dass es zu einer sichtbaren Schwellung oder Entzündung kommt. Gleichzeitig sorgt das für eine bessere „Nährstoffaufnahme“ durch die Zecke. 

Warum die Zecke die Flüssigkeit zurückpumpt 

Während des Saugens nimmt die Zecke große Mengen Blut auf. Dabei trennt sie im Verdauungstrakt das Blut in feste Bestandteile (rote und weiße Blutkörperchen) und Flüssigkeit (Blutplasma). Um sich nicht zu „überfüllen“, pumpt sie einen Teil des überschüssigen Wassers wieder in die Wunde zurück. 

Diese rückgepumpte Flüssigkeit enthält ebenfalls Speichelbestandteile – darunter Enzyme, Eiweiße und andere Moleküle – die das Gewebe weiter beeinflussen. 

Zecke und Wirt in einem biologischen Wettstreit 

Die Wechselwirkung zwischen Zecke und Wirt ist ein Paradebeispiel für Co-Evolution. Während das Immunsystem von Säugetieren Abwehrstrategien gegen Parasiten entwickelt hat, hat sich der Zeckenspeichel über Millionen Jahre hinweg angepasst, um genau diese Strategien zu unterlaufen. 

 Quelle zum Text: https://de.milestoblog.com/what-tick-saliva-does-human-body