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Virologie

Vogelgrippe im Kuhstall – wie sicher ist unsere Milch noch?

Noch vor wenigen Monaten galt es als unwahrscheinlich, doch jetzt ist klar. Die Vogelgrippe kann auch Kühe infizieren. Eine neue Studie des renommierten Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) bringt überraschende Erkenntnisse über die Ausbreitung von H5N1 bei Rindern und wirft wichtige Fragen zur Seuchenprävention in Europa auf. Seit Anfang 2024 breitet sich das Vogelgrippevirus H5N1 in den USA unter Rindern aus. Über 230 Herden in 14 Bundesstaaten sind betroffen, und mindestens vier Menschen haben sich im Umfeld infizierter Kühe angesteckt. Lange war unklar, wie das Virus zwischen Kühen übertragen wird. Man vermutete Milch, Einstreu, Viren in der Luft oder Transporte als Ursache für die Verbreitung. Ein Mangel an gesicherten Daten erschwerte die Bekämpfung der Epidemie jedoch erheblich. 

Experiment auf der Insel Riems: Zwei Viren, ein Ergebnis 

Um dem Rätsel auf den Grund zu gehen, infizierten Forscher des Friedrich-Loeffler-Instituts gezielt Kühe mit H5N1-Viren unter strengsten Sicherheitsbedingungen. Dabei wurden zwei Virusvarianten verwendet, nämlich die amerikanische Klade 2.3.4.4b und eine europäische Wildvogelvariante, die derzeit in Deutschland zirkuliert. Beide Varianten führten zu schweren Erkrankungen der Kühe, darunter Fieber, Lahmheit, Entzündungen und massive Schäden an den Milchdrüsen. Zwei Kühe mussten eingeschläfert werden. Besonders überraschend war die Entdeckung der sogenannten „Euter-Mutation“. Diese Mutation, die zuvor als bedrohliche Anpassung des Virus an Säugetierzellen galt, entstand bei beiden Virenarten automatisch innerhalb weniger Tage, sobald das Virus mit den Zellen im Euter in Kontakt kam. Das bedeutet, dass diese Mutation keine besondere Eigenschaft des US-Stamms ist, sondern offenbar eine natürliche Folge der Vermehrung in Kuheutern. Damit sind alle getesteten H5N1-Viren offenbar fähig, sich im Euter von Kühen zu vermehren. 

Ist Kuhmilch jetzt gefährlich? 

Diese Erkenntnis macht deutlich, dass die Gefahr eines Ausbruchs in europäischen Rinderherden realer ist als bislang angenommen. Die gute Nachricht ist jedoch, dass die Übertragung des Virus offenbar nicht über die Luft oder die Atemwege erfolgt, sondern vor allem durch verunreinigtes Melkgeschirr. Durch das Desinfizieren der Melkgeräte zwischen den Tieren könnte also ein Ausbruch effektiv gestoppt werden. Was die Milch betrifft, so gibt es Entwarnung. In pasteurisierter Milch wurden keine vollständigen infektiösen Viren nachgewiesen. Antikörper, die sich früh im Euter bilden, binden die Viren und machen sie inaktiv. Rohmilch stellt allerdings weiterhin ein Risiko dar, während handelsübliche Milch als sicher gilt. 

Menschliche Infektionen und das Risiko einer Pandemie 

Für den Menschen bleibt das Risiko einer Infektion überschaubar. Zwar wurden vereinzelt Menschen infiziert, eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist jedoch nicht beobachtet worden. Experten schätzen das zoonotische Risiko als mittelgroß ein. Besondere Aufmerksamkeit gilt sogenannten „Mischgefäßen“ wie Schweinen und Nerzen, die sich sowohl mit Vogelgrippe als auch mit menschlicher Grippe infizieren können. In diesen Tieren könnte es zur genetischen Vermischung der Viren kommen, was potenziell eine neue Pandemie auslösen könnte. 

Quelle zum Text: https://www.welt.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/article251511418/Infektionsstudie-Kuehe-werden-mit-Vogelgrippevirus-infiziert.html