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Hygiene

Sommerzeit: Besondere Herausforderungen für die Hygiene und Infektionsprävention

Steigende Temperaturen bedeuten nicht nur eine Belastung für Patientinnen und Patienten sowie das medizinische Personal, auch die Hygiene in Praxen, Kliniken und Laboren steht im Sommer vor besonderen Herausforderungen. Hitze kann das Wachstum von Mikroorganismen begünstigen, die Stabilität empfindlicher Materialien beeinträchtigen und die Einhaltung wichtiger Lager- und Kühlbedingungen erschweren. Nachdem wir im letzten Monat bereits die allgemeinen Auswirkungen hoher Temperaturen auf den Praxisalltag beleuchtet haben, werfen wir nun einen Blick auf die besonderen hygienischen Anforderungen, die während Hitzeperioden beachtet werden sollten.

Keimwachstum: Wärme fördert die Vermehrung von Mikroorganismen

Viele Bakterien, Pilze und andere Mikroorganismen vermehren sich bei höheren Temperaturen deutlich schneller. Besonders kritisch wird dies überall dort, wo Feuchtigkeit und Wärme zusammentreffen, beispielsweise in Waschbecken, Wasserleitungen oder schwer zugänglichen Bereichen von Sanitäranlagen. Auch Oberflächen, die häufig berührt werden, sind in den Sommermonaten konsequent nach den geltenden Hygieneplänen zu reinigen und desinfizieren. Verkürzte Reinigungsintervalle können in besonders beanspruchten Bereichen sinnvoll sein. Auch Klimaanlagen und Lüftungssysteme sollten deshalb regelmäßig gewartet, gereinigt und hygienisch betrieben werden. Nur so können sie ihre Funktion zuverlässig erfüllen und gleichzeitig hygienische Risiken minimieren.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Wasserhygiene. Werden Leitungen über längere Zeit nicht genutzt, etwa während Urlaubszeiten oder auf Stationen mit geringer Belegung, können sich Legionellen vermehren. Professor Martin Exner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Krankenhaushygiene, empfiehlt deshalb, Wasserleitungen nach längeren Standzeiten gründlich durchzuspülen, bevor sie wieder genutzt werden. Gerade in Einrichtungen des Gesundheitswesens ist ein professionelles Wassermanagement ein wesentlicher Bestandteil der Infektionsprävention.

Medikamente: Empfindlich gegenüber hohen Temperaturen

Viele Arzneimittel müssen innerhalb definierter Temperaturbereiche gelagert werden. Sind diese überschritten, können Wirkstoffe ihre Stabilität verlieren oder sich chemisch verändern, besonders temperaturempfindlich sind beispielsweise:

  • Insuline
  • Impfstoffe
  • Biologika
  • verschiedene Augentropfen
  • bestimmte Antibiotika nach Rekonstitution

Auch Laborreagenzien und Diagnostika reagieren empfindlich auf Temperaturschwankungen. Können Lagerbedingungen nicht eingehalten werden, werden Messergebnisse verfälscht oder Tests unbrauchbar. Deshalb gilt es, Lagerräume regelmäßig zu überwachen und Arzneimittel niemals über längere Zeit ungekühlt transportiert oder in direkter Sonneneinstrahlung gelagert werden. Darüber hinaus unterliegen zahlreiche medizinische Verbrauchsmaterialien definierten Lagerbedingungen. Werden die vom Hersteller vorgegebenen Temperaturbereiche überschritten, können auch hier die Materialeigenschaften oder die Wirksamkeit beeinträchtigt werden. Dazu gehören unter anderem:

  • sterile Medizinprodukte
  • Desinfektionsmittel
  • Teststreifen und Schnelltests
  • Verbandmaterialien
  • Klebeprodukte und Pflaster

Kühlketten zuverlässig einhalten

Die Einhaltung der Kühlkette gewinnt im Sommer daher noch stärker an Bedeutung. Eine lückenlose Temperaturüberwachung mithilfe geeigneter Mess- und Dokumentationssysteme ist daher unverzichtbar und auch beim Wareneingang sowie beim innerbetrieblichen Transport sollten Kühlketten konsequent eingehalten werden.

Fazit: Sommerhitze erfordert besondere Aufmerksamkeit

Hohe Außentemperaturen stellen das Hygienemanagement in Praxen und Kliniken vor zusätzliche Herausforderungen. Eine konsequente Einhaltung von Hygieneplänen, die Überwachung von Lager- und Kühlbedingungen sowie ein professionelles Wassermanagement tragen entscheidend dazu bei, Risiken für Patientinnen, Patienten und Mitarbeitende zu minimieren. Gerade in den Sommermonaten lohnt es sich, bestehende Prozesse kritisch zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen, denn gute Hygiene kennt keine Jahreszeit, sie wird bei Hitze lediglich noch wichtiger.

Quellen: