Die Grippe begleitet uns jedes Jahr. Sie kommt mal harmlos, mal mit schweren Verläufen. Doch neben den bekannten saisonalen Grippewellen gibt es seltene, aber besonders gefährliche Veränderungen des Virus, die das Potenzial haben, weltweite Pandemien auszulösen.
Eine solche Veränderung nennt sich antigener Shift. Es handelt sich dabei um einen plötzlichen, großen Sprung in der genetischen Struktur des Influenza-A-Virus. Anders als bei einem antigenen Drift, bei dem es sich um kleine Mutationen handelt und dafür sorgt, dass Grippeimpfstoffe regelmäßig angepasst werden müssen, handelt es sich beim antigenen Shift um eine abrupte und tiefgreifende Veränderung. Dabei entstehen neue Kombinationen der Oberflächenproteine Hämagglutinin (HA) und Neuraminidase (NA), gegen die das menschliche Immunsystem kaum oder gar keine Abwehrkräfte besitzt.
Der antigene Shift wird durch sogenannte Reassortments ermöglicht. Influenza-A-Viren besitzen ein segmentiertes Erbgut, bestehend aus acht einzelnen RNA-Strängen. Wenn ein Organismus gleichzeitig mit zwei unterschiedlichen Influenza-A-Viren infiziert ist, kann es passieren, dass sich diese RNA-Segmente in einer Zelle vermischen und ein völlig neues Virus entsteht. Das neu entstandene Virus enthält dann genetische Elemente beider Ursprungsviren, oft mit einer bisher unbekannten Kombination von HA und NA. Wenn ein solches Virus in der Lage ist, sich effizient von Mensch zu Mensch zu übertragen, kann es zu einer Pandemie kommen, denn die Bevölkerung ist der neuen Virusvariante weitgehend schutzlos ausgeliefert.
In der Geschichte der Menschheit ist der antigene Shift bereits mehrfach aufgetreten. Die Spanische Grippe im Jahr 1918, die Asiatische Grippe 1957, die Hongkong-Grippe 1968 und die Schweinegrippe im Jahr 2009 sind allesamt Beispiele für Pandemien, die durch einen antigenen Shift ausgelöst wurden. Besonders das Virus der Schweinegrippe war genetisch komplex. Es enthielt RNA-Segmente von nordamerikanischen und eurasischen Schweinegrippeviren, menschlichen und aviären Viren. Solche Kombinationen entstehen in tierischen „Mischgefäßen“ wie Schweinen, die sowohl für menschliche als auch tierische Influenzaviren anfällig sind.
Ein antigener Shift ist ausschließlich bei Influenza-A-Viren möglich, da nur diese in der Lage sind, verschiedene Tierarten zu infizieren und zwischen ihnen zu springen. Influenza-B-Viren zirkulieren fast ausschließlich unter Menschen und verändern sich lediglich durch antigenen Drift, also durch allmähliche, kleinere Mutationen. Der Unterschied ist entscheidend. Während Drift regelmäßig vorkommt und zu saisonalen Grippewellen führt, tritt der Shift selten auf, kann aber weltweit dramatische Auswirkungen haben.
Ein solcher antigener Shift stellt die globale Gesundheit jedes Mal vor große Herausforderungen. Impfstoffe müssen innerhalb kürzester Zeit neu entwickelt werden, die Bevölkerung besitzt keine oder nur sehr geringe Immunität, und die Ausbreitung ist kaum vorhersehbar. Deshalb ist die ständige weltweite Überwachung von Grippeviren so wichtig. Nur so können neue Subtypen frühzeitig erkannt und Pandemien eventuell abgemildert oder verhindert werden.
Quelle zum Text: https://www.cdc.gov/flu/php/viruses/change.html?CDC_AAref_Val=https://www.cdc.gov/flu/about/viruses/change.htm
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