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Neues, langwirksames Medikament in der HIV-Therapie zugelassen

Die Behandlung von HIV hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Wo früher eine strenge tägliche Tabletteneinnahme nötig war, ermöglichen moderne Therapien heute eine deutlich vereinfachte Anwendung – ohne an Wirksamkeit einzubüßen. Besonders bedeutend sind dabei die langwirksamen Injektionspräparate, die nur alle zwei Monate oder sogar nur zweimal im Jahr verabreicht werden müssen.  

Cabotegravir und Rilpivirin: Die 2-Monats-Therapie 

Bereits seit Mai 2021 ist in Deutschland eine langwirksame Kombinationstherapie zugelassen, bestehend aus den Wirkstoffen Cabotegravir (Vocabria®) und Rilpivirin (Rekambys®). Diese Therapie wird intramuskulär gespritzt, zunächst in den ersten beiden Monaten monatlich (eine Injektion pro Gesäßhälfte), anschließend reicht eine Injektion alle zwei Monate aus. Früher war vor Beginn der Injektionen eine 28-tägige orale Einleitungsphase notwendig, die mittlerweile aber nicht mehr erforderlich ist. 

Lenacapavir: Neue Wirkstoffklasse mit 6-Monats-Intervall 

Ein echter Durchbruch ist der Wirkstoff Lenacapavir (Sunlenca®). Er gehört zur völlig neuen Klasse der Kapsid-Inhibitoren und wirkt anders als bisherige Medikamente: Es greift gezielt die Proteinhülle (das Kapsid) des HI-Virus an, die für dessen Vermehrung unverzichtbar ist. Dabei wirkt Lenacapavir in mehreren Phasen des Virus-Lebenszyklus, was es besonders effektiv macht – und bislang gibt es keine Kreuzresistenzen zu anderen Medikamentenklassen. 

Die Anwendung ist besonders einfach: Nach einer kurzen Einleitungsphase mit oralen Tabletten über 14 Tage erfolgt alle sechs Monate eine subkutane Injektion unter die Haut – also nur zweimal im Jahr. 

Für wen ist Lenacapavir gedacht? 

Lenacapavir ist zugelassen für Erwachsene mit einer multiresistenten HIV-1-Infektion, bei denen kein anderes wirksames Therapie-Regime mehr zusammengestellt werden kann. Genau für diese Patientengruppe, die bisher kaum noch Optionen hatte, eröffnet sich mit Sunlenca eine neue Perspektive. 

Studienlage: Überzeugende Ergebnisse 

Die Zulassung basiert auf der internationalen CAPELLA-Studie, an der stark vorbehandelte Patient:innen mit multiresistenter HIV-Infektion teilnahmen. Die Ergebnisse sind vielversprechend: 

  • 81 % der Teilnehmer, die Lenacapavir zusätzlich zu einer optimierten Hintergrundtherapie erhielten, erreichten nach 26 Wochen eine nicht nachweisbare Viruslast (< 50 Kopien/ml). 
  • Zudem stieg die Zahl der CD4-Zellen (ein wichtiger Marker für die Immunabwehr) im Schnitt um 81 Zellen/µl. 
  • Die Behandlung wurde insgesamt gut vertragen – als häufigste Nebenwirkungen traten leichte Reaktionen an der Injektionsstelle und Übelkeit auf. 

Die Entwicklungen rund um langwirksame HIV-Medikamente wie Cabotegravir/Rilpivirin und insbesondere Lenacapavir zeigen: Die moderne HIV-Therapie wird immer stärker an den Bedürfnissen der Betroffenen ausgerichtet. Weniger Injektionen, mehr Lebensqualität und neue Therapieoptionen für schwierige Fälle – das ist ein bedeutender Fortschritt im Kampf gegen HIV. 

 Quelle zum Text: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/langwirksame-hiv-therapie-20-135196/