Viele gehen davon aus, dass Zecken nur im Sommer aktiv sind, doch das stimmt so nicht mehr. Aufgrund milderer Winter und veränderter klimatischer Bedingungen sind Zecken mittlerweile viel länger und teilweise sogar das ganze Jahr aktiv. Damit geht ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für alle Menschen, die sich in der Natur aufhalten, einher.
Früher galt eine Zeckenzeit von März bis September, doch auf diesen Zeitraum können wir uns nicht mehr guten Gewissens verlassen. So warnt Dr. Masyar Monazahian vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt, dass „die typische Zeckenzeit quasi nicht mehr existiert“. Auch der Fachinformationsdienst LabNews bestätigt, dass Zecken heutzutage ganzjährig aktiv sein können, vor allem wenn die Winter mild sind.
Besonders überraschend ist, dass Zecken sich nicht nur im Wald oder auf Wiesen finden sind, sondern auch in bis zu 60 % der Gärten. Eine 2023 veröffentlichte Studie analysierte tausende Zeckenproben aus Deutschland und Österreich. Dabei zeigte sich, dass zwei wichtige Zeckenarten – Ixodes ricinus (der Gemeine Holzbock) und Dermacentor reticulatus (die Auwaldzecke) – auch in den Wintermonaten aktiv sind. Die Forscher registrierten selbst im Zeitraum Dezember bis Februar durchschnittlich über 100 Funde pro Monat. Schon ab Temperaturen von etwa 6 bis 7 Grad Celsius können Zecken aktiv werden. Das erklärt auch, warum sie inzwischen sogar in höher gelegenen Regionen, wie der Eifel auf über 700 m Höhe, deutlich früher im Jahr auftreten als noch vor wenigen Jahrzehnten. Ein warmer Winter oder ein milder Frühling kann die Zeckensaison also deutlich vorverlegen und verlängern.
Der Klimawandel spielt hier eine zentrale Rolle. In Deutschland und Mitteleuropa hat er dazu geführt, dass Zecken, insbesondere Ixodes ricinus, keine echte Winterpause mehr machen müssen. Parallel breiten sich neue, wärmeliebende Arten wie die Hyalomma-Zecke aus, die teilweise gefährliche Erreger wie das Krim-Kongo-Fieber-Virus übertragen können.
Zeckenschutz ist keine reine Sommersache mehr. Wer sich auch im Frühling, Herbst oder an milden Wintertagen im Freien aufhält, sei es im Garten, beim Spaziergang oder bei der Arbeit im Wald, der sollte sich weiterhin mit langer Kleidung, geschlossenen Schuhen, zeckenabweisenden Mitteln und anschließender Körperkontrolle schützen.
Zudem schützt eine Impfung gegen FSME zumindest vor dieser Virusinfektion, die durch Zecken direkt beim Stich übertragen werden kann. Gegen Borreliose, die bakteriell ist, gibt es zwar keine Impfung, aber eine schnelle Entfernung der Zecke (innerhalb von 12 bis 24 Stunden) kann das Infektionsrisiko erheblich senken.
Die Vorstellung, dass Zecken nur ein „Sommerproblem“ seien, gehört also eindeutig ins Reich der Mythen. Wer ganzjährig aufmerksam bleibt und sich entsprechend schützt, kann das Risiko eines Zeckenstichs und möglicher Folgeerkrankungen aber wirksam reduzieren.
Quelle zum Text: https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/Z/Zeckenuebertragene-Erkrankungen/Zecken.html
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