Nach einem Ausbruch des Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff namens Hondius sind drei Menschen gestorben, darunter eine deutsche Passagierin. Das Schiff war unterwegs von Argentinien nach Kap Verde. Nach Angaben des niederländischen Veranstalters haben bereits Ende April insgesamt 29 Passagier:innen das Schiff verlassen. Dazu gehörte auch eine Frau, die wenig später an dem Virus starb. Die übrigen Personen und Besatzungsmitglieder sollen daher nun auf Teneriffa untersucht und gegebenenfalls medizinisch versorgt werden. Dieser Fall löst nun international Sorgen einer neu bevorstehenden Pandemie aus.
Hantaviren sind behüllte RNA-Viren aus der Familie der Hantaviridae. Sie sind typischerweise mit bestimmten Nagetierspezies als Reservoirwirte assoziiert. Zu den bekanntesten Virustypen gehören Hantaanvirus (HTNV), Puumalavirus (PUUV), Dobrava-Belgrad-Virus (DOBV), Seoulvirus (SEOV), Sin-Nombre-Virus (SNV) und Andesvirus (ANDV).
Diese werden von infizierten Nagetieren über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden und können darin mehrere Tage infektiös bleiben. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch die Inhalation virushaltiger Aerosole, durch den Kontakt verwundeter Haut mit kontaminierten Materialien oder durch Bisse. Mensch-zu-Mensch Übertragungen sind seltener und kommen in der Regel nur bei dem südamerikanischen Andes-Typ vor. Hantaviren sind generell weltweit verbreitet. Aufgrund der unterschiedlichen Verbreitung der jeweiligen Reservoirwirte sind die verschiedenen Virustypen ebenfalls geografisch unterschiedlich verteilt. In Deutschland sind dabei Infektionen mit PUUV und einer Variante des DOBV vorherrschend.
Seit Einführung der bundesweiten Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz variieren die Zahlen sehr stark und bewegen sich bisher zwischen 72 und 2.825 gemeldeten Fällen pro Jahr. Die durchschnittliche jährliche Inzidenz liegt bei ca. 1,3 Fällen pro 100.000 Einwohner.
Die Viren verursachen nach einer Inkubationszeit von üblicherweise 2 bis 4 Wochen eine Hantavirus-Infektion, welche sich in grippeartiger Symptomatik äußern kann. Viele Krankheitsverläufe bleiben auch asymptomatisch oder mit unspezifischen Beschwerden. Jedoch können je nach Virustyp verschieden schwere Krankheitsbilder hervorgerufen werden. Die in Mitteleuropa vorkommenden Hantavirus-Typen können mit anhaltendem hohem Fieber sowie Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen einhergehen. In einer folgenden Krankheitsphase können Blutdruckabfall und schließlich Nierenfunktionsstörungen bis zum akuten Nierenversagen auftreten. Bei Infektionen mit den amerikanischen Virenstämmen sind Komplikationen wie Lungenödeme und akutes Lungenversagen möglich.
Aktuell existiert kein zugelassener Impfstoff noch eine antivirale Therapie. Daher ist die Expositionsprävention die wichtigste Maßnahme zur Verhütung von Infektionen. Des Weiteren sollte in Wohn- und Arbeitsräumen eine konsequente Nagetierbekämpfung und -fernhaltung stattfinden. Im Umgang mit Nagern, kontaminiertem Material oder Räumen ist feuchte Reinigung, das Tragen von Schutzhandschuhen wie auch partikelfiltrierenden Atemschutzmasken notwendig.
Die WHO entwarnt, dass dieser Fall kein Beginn einer neuen Pandemie darstellen werde. Weitere Hantavirus-Fälle können aufgrund der langen Inkubationszeit von sechs Wochen nicht ausgeschlossen werden. Sofern Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit umgesetzt werden, handle es sich aber um einen begrenzten Ausbruch, so die WHO. Die Ansteckung mit dem Hantavirus sei in keiner Weise vergleichbar mit dem Covid-19-Virus, weshalb kein Anlass zur Sorge bestehe.
— Stand: 08.05.2026
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