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Neue Risikogebiete für FSME: Was bedeutet das für den Versorgungsalltag in 2026?

FSME

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) bleibt eine der relevantesten Infektionskrankheiten in Deutschland. Mit der aktuell veröffentlichten Ausweitung der Risikogebiete (Stand: Januar 2026) zeigt sich deutlich: Die Dynamik hält an, geografisch wie epidemiologisch. Für medizinisches Personal ergeben sich daraus konkrete Implikationen für Impfberatung und Diagnostik.

Fallzahlen 2025: Weiterhin auf hohem Niveau

Im Jahr 2025 wurden 693 FSME-Erkrankungen übermittelt. Damit liegt 2025 praktisch gleichauf mit 2024 (695 Fälle), und stellt, nach 2020 (718 Fälle), den dritthöchsten Wert seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001 dar.

Was fällt im Vergleich zu den Vorjahren auf?

  • Konstant hohe Inzidenz seit 2020
  • Deutliche Zunahme in fast allen Altersgruppen
  • Männer weiterhin stärker betroffen
  • Inzidenzanstieg ab dem 40. Lebensjahr
  • 57 % mit neurologischer Manifestation (Meningitis, Enzephalitis, Myelitis)
  • 2025 keine Todesfälle (2024: drei Todesfälle)

2026: Zwei neue Risikogebiete

Die Karte der FSME-Risikogebiete wurde erweitert. Neu hinzugekommen sind für 2026:

  • Landkreis Nordsachsen
  • Stadtkreis Halle (Saale)

Damit gelten nun 185 Kreise als FSME-Risikogebiete.
Regionale Entwicklung im Überblick:

  • Bayern: 95 von 96 Kreisen
  • Baden-Württemberg: 43 von 53 Kreisen
  • Sachsen: 11 von 13 Kreisen
  • Thüringen: 13 Kreise
  • Hessen: 10 Kreise
  • Brandenburg: 5 Kreise
  • Sachsen-Anhalt: 3 Kreise
  • Einzelne Kreise in Niedersachsen, NRW, Rheinland-Pfalz, Saarland

Impfquoten: Das eigentliche Kernproblem

Trotz klarer STIKO-Empfehlung bleibt die Impfquote in Risikogebieten niedrig:

  • Bayern: 22,6 %
  • Baden-Württemberg: 17,2 %
  • Thüringen: 27,6 %
  • Hessen: 18,0 %

Alarmierend ist dabei, dass 98 % der 2025 Erkrankten gar nicht oder unzureichend geimpft waren. Gerade bei Personen über 60 Jahren, mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe, sind die Impfquoten besonders unzureichend. Hier liegt daher enormes Präventionspotenzial.

Herausforderungen in 2026:

Differenzialdiagnostik gewinnt an Bedeutung
Mit der geografischen Überlappung von FSME- und West-Nil-Virus-Zirkulation steigt zum einen die diagnostische Komplexität, denn das European Centre for Disease Prevention and Control weist seit Jahren auf die zunehmende Verbreitung des West-Nil-Virus (WNV) in Europa hin, auch in Deutschland wurden seit 2018 humane Fälle registriert. Wichtig für medizinisches Personal dabei ist, dass das WNV ein ähnliches neuroinvasives Krankheitsbild verursachen kann.

Saisonale Dynamik

  • Hauptübertragungszeit: Mai–Oktober
  • Gipfel im Juni
  • Zweiter Peak im Oktober

Bedeutung für den Versorgungsalltag
Für den Versorgungsalltag bedeutet das: Impfberatung spätestens im Frühjahr, idealerweise bereits im Winter. Außerdem gilt es den Impfstatus konsequent zu prüfen, insbesondere bei:

  • über 40 Jährigen
  • Wohnort oder Freizeitaktivität im Risikogebiet
  • Outdoor Berufen
  • Forst- und Landwirtschaft,
  • Freizeitaktivitäten im Grünen

FSME ist längst keine rein süddeutsche Erkrankung mehr. Für medizinisches Personal bedeutet das: Prävention aktiv ansprechen, Impfstatus prüfen, neurologische Symptome ernst nehmen und mittlerweile auch bundesweit an FSME denken.

Quelle zum Text: RKI Epidemiologisches Bulletin 09/2026