Der Eichenprozessionsspinner hat sich in den vergangenen Jahren in vielen Regionen Deutschlands zunehmend ausgebreitet und stellt sowohl für die Gesundheit des Menschen als auch für die Natur eine Herausforderung dar. In Teilen Berlins sollen Menschen sogar ihre Fenster geschlossen halten, um Kontakt mit den Raupen zu vermeiden.
Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist eine in Deutschland heimische Schmetterlingsart, die in weiten Teilen Europas vorkommt. Er besiedelt vor allem lichte Eichenwälder, Waldränder sowie einzeln stehende Eichen und bevorzugt warme, trockene Standorte. Häufig tritt er gemeinsam mit anderen Eichen schädigenden Organismen auf.
Die Larven des Eichenprozessionsspinners durchlaufen insgesamt sechs Entwicklungsstadien. Sie sind grau bis schwarz gefärbt und erreichen bis zur Verpuppung eine Körperlänge von etwa vier Zentimetern. Auffällig sind ihre langen schwarzen Haare, die jedoch nicht mit den gesundheitlich problematischen Brennhaaren verwechselt werden dürfen. Die mikroskopisch kleinen Brennhaare sind mit bloßem Auge nicht sichtbar und werden erst ab dem dritten Larvenstadium ausgebildet.
Nach der Verpuppung schlüpfen dunkelbraune Falter mit einer Flügelspannweite von bis zu 35 Millimetern. Aufgrund seiner Lebensweise und der gesundheitsschädlichen Brennhaare der Larven spielt der Eichenprozessionsspinner sowohl aus forstwirtschaftlicher als auch aus gesundheitlicher Sicht eine bedeutende Rolle.
Die gesundheitlichen Folgen des Eichenprozessionsspinners werden durch das Nesselgift Thaumetopoein verursacht, das sich auf den Brennhaaren der Larven befindet. Ab dem dritten Larvenstadium bilden die Raupen mikroskopisch kleine Brennhaare aus, die leicht abbrechen und über die Haut, die Augen oder die Atemwege in den Körper gelangen können. Dabei lösen sie allergieähnliche Reaktionen aus.
Typische Beschwerden sind Juckreiz, Hautrötungen, Quaddeln und Hautausschläge (Raupendermatitis). Gelangen die Brennhaare in die Augen oder Atemwege, können Bindehautentzündungen, Husten, Atembeschwerden sowie Bronchitis oder Asthma auftreten. In seltenen Fällen kommt es zusätzlich zu Fieber, Schwindel oder Übelkeit. Die Symptome treten meist erst am Tag nach dem Kontakt auf und können bis zu zwei Wochen anhalten. Auch alte Brennhaare in Gespinstnestern stellen weiterhin ein Gesundheitsrisiko dar.
Die Eier des Eichenprozessionsspinners werden bereits im Vorjahr im oberen Kronenbereich von Eichen abgelegt. Je nach Witterung schlüpfen die Raupen im April oder Mai und durchlaufen bis zur Verpuppung sechs Entwicklungsstadien. Ab dem dritten Larvenstadium bilden sie die gesundheitsschädlichen Brennhaare aus und stellen damit insbesondere im Mai und Juni eine Gefahr für den Menschen dar. Die Raupen leben in Gruppen, fressen junge Eichenblätter und ziehen sich ab Mitte Juni in Gespinstnester zurück. Dort beginnt ab Ende Juni beziehungsweise Anfang Juli die Verpuppung. Mit dem Schlüpfen der Falter Anfang August endet die Gefährdung durch die Brennhaare.
Da die Entwicklung der Raupen durch ein warmes und trockenes Klima begünstigt wird, gilt der Klimawandel als möglicher Faktor für die zunehmende Ausbreitung und höhere Bestandsdichte des Eichenprozessionsspinners.
Nach einem Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner sollten Betroffene möglichst sofort duschen, die Haare gründlich waschen und die Kleidung bei mindestens 60 °C reinigen. Auch Gegenstände oder Fahrzeuge, die mit den Brennhaaren in Kontakt gekommen sein könnten, sollten sorgfältig gesäubert werden. Zur Linderung der Beschwerden können betroffene Hautstellen gekühlt und rezeptfreie Medikamente gegen den Juckreiz angewendet werden. Treten Atembeschwerden oder Augenreizungen auf, sollte umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.
Die wichtigste Schutzmaßnahme ist das Vermeiden eines Kontakts mit den Raupen und ihren Gespinsten. Warnhinweise sollten beachtet und befallene Bereiche gemieden werden. Personen, die sich beruflich in betroffenen Gebieten aufhalten, sollten geeignete Schutzkleidung, eine Schutzbrille und eine FFP2-Maske tragen. Werden Gespinste des Eichenprozessionsspinners entdeckt, sollten diese nicht selbst entfernt, sondern den zuständigen Behörden oder einer fachkundigen Schädlingsbekämpfung gemeldet werden.
Der deutsche Wetterdienst liefert eine aktuelle Karte für das Vorkommen des Eichenprozessionsspinners: Karte ansehen
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