Seit Ende August 2025 sorgt ein Ausbruch von EHEC-Infektionen in Mecklenburg-Vorpommern für große Aufmerksamkeit. Zahlreiche Fälle zeigen teils schwere Verläufe bis hin zum hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), insbesondere bei Kindern. Die genaue Infektionsquelle bleibt bislang ungeklärt, doch nun gibt es einen wichtigen Fortschritt: Das Robert Koch-Institut (RKI) hat den verantwortlichen Erreger identifiziert. Es handelt sich um den seltenen EHEC-Serotyp O45:H2.
Das Nationale Referenzzentrum (NRZ) für Salmonellen und andere bakterielle Enteritiserreger am RKI konnte den Ausbruchsstamm eindeutig dem Serovar O45:H2 zuordnen. Dieser Typ ist in Deutschland äußerst selten. Zwischen 2015 und Mitte 2025 wurde er nur 13-mal in über 10.000 untersuchten Proben nachgewiesen, darunter lediglich vier Fälle mit HUS. Der aktuelle Ausbruchsstamm trägt die Gene für das Shigatoxin Subtyp stx2a sowie das Intimin-Gen eaeA, das sind beides genetische Marker, die mit einem schweren Krankheitsverlauf in Verbindung gebracht werden. Auffällig ist zudem, dass der Stamm genetisch nicht mit früher bekannten Isolaten verwandt ist. Es handelt sich demnach um ein eigenständiges, neuartiges Ausbruchsgeschehen.
Trotz intensiver Befragungen der Erkrankten und ihrer Angehörigen konnte bislang keine konkrete Infektionsquelle, etwa ein Lebensmittel oder ein bestimmter Produktionsbetrieb, ermittelt werden. Das erschwert die Eindämmung des Ausbruchs erheblich. Mit der molekulargenetischen Identifikation des Erregers ist es jedoch nun möglich, neue Krankheitsfälle gezielter zu erkennen und besser mit dem Ausbruch in Verbindung zu bringen. Weitere epidemiologische Erhebungen sind im Gange. Die Koordination der Untersuchungen und Maßnahmen erfolgt durch das RKI in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern, dem Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei sowie mit den Bundesbehörden BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) und BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung).
Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), eine der schwerwiegendsten Komplikationen nach einer EHEC-Infektion, ist vor allem für Kinder gefährlich. Es äußert sich durch eine Kombination aus Nierenversagen, Blutarmut und Thrombozytopenie. In schweren Fällen ist eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich.
Die Identifikation des Erregers stellt einen wichtigen Fortschritt in der Bewältigung des aktuellen Ausbruchs dar. Dennoch bleibt die zentrale Frage weiterhin unbeantwortet: Woher stammt der Erreger? Die Aufklärung der Infektionsquelle hat nun höchste Priorität, um weitere Erkrankungen zu verhindern und eine potenzielle Quelle gezielt aus dem Verkehr zu ziehen. Die zuständigen Behörden arbeiten mit Hochdruck an der weiteren Aufklärung des Geschehens.
Quelle zum Text: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2025/37_25.html
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