Die Weltgesundheitsorganisation hat am 17. Mai 2026 nach neuen Ebola-Ausbrüchen in der Demokratischen Republik Kongo sowie ersten Fällen in Uganda eine „Gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ ausgerufen. Damit reagiert die WHO auf eine besorgniserregende Entwicklung, die Erinnerungen an die schweren Ebola-Ausbrüche in Westafrika 2014 sowie im Kongo 2019 wachruft.
Mit Stand vom 01. Juni 2026 ist die durch das Bundibugyo-Virus ausgelöste Ebola-Epidemie weiterhin in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) sowie in Uganda aktiv. Dabei wird eine zunehmende Zahl bestätigter und vermuteter Infektions- und Todesfälle registriert.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums der DRK wurden am 26. Mai insgesamt 321 bestätigte Fälle gemeldet, darunter 48 Todesfälle im Zusammenhang mit der Krankheit. Zusätzlich wurden 116 Verdachtsfälle erfasst, die derzeit untersucht werden. Betroffen sind die Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu. Ituri ist die am stärksten betroffene Provinz mit 299 bestätigten Fällen aus 15 Gesundheitszonen
In Uganda wurden bislang 15 bestätigte Fälle registriert, darunter ein Todesfall. Nach Angaben von Gesundheitsbehörden standen mindestens sieben Fälle im Zusammenhang mit lokalen Übertragungsereignissen und vier mit Reisen in die DR Kongo
Die WHO bewertet die Lage aufgrund der regionalen Mobilität als ernst. Länder mit direkter Grenze zur Demokratischen Republik Kongo gelten als besonders gefährdet. Trotz der internationalen Gesundheitsnotlage empfiehlt die WHO derzeit ausdrücklich keine Grenzschließungen sowie keine Reise- oder Handelsbeschränkungen. Ziel ist es, eine kontrollierte internationale Zusammenarbeit sicherzustellen und wirtschaftliche sowie humanitäre Schäden zu begrenzen.
Der aktuelle Ausbruch wird durch den seltenen Bundibugyo-Stamm des Ebola-Virus verursacht. Dieser Virusstamm wurde erstmals 2007 identifiziert. Damals wurden 131 beziehungsweise 38 laborbestätigte Fälle registriert. Die Letalität lag zwischen 30 und 40 Prozent und damit niedriger als beim bekannteren Zaire-Stamm, der bei früheren Ebola-Epidemien deutlich höhere Sterblichkeitsraten verursachte.
Besonders problematisch ist, dass es derzeit keinen zugelassenen Impfstoff gegen das Bundibugyo-Virus gibt. Zwar existiert bereits ein Impfstoff-Kandidat, dieser befindet sich jedoch noch nicht in Anwendung und ist bislang nur gegen die Zaire-Variante des Ebola-Virus zugelassen. Der Impfstoff zeigte in Tierversuchen jedoch bereits Hinweise auf eine Schutzwirkung gegen den Bundibugyo-Stamm. Eine von der WHO koordinierte Expertengruppe berät sich derzeit über mögliche Impfstoffe gegen die seltene aber potenziell tödliche Ebola-Erkrankung. Auch eine spezifische antivirale Therapie steht bislang nicht zur Verfügung. Die Überlebenschancen hängen daher maßgeblich von einer frühzeitigen Diagnose sowie einer intensiven unterstützenden medizinischen Behandlung ab.
Besteht bei einem fieberhaften Patienten der Verdacht auf eine reiseassoziierte Infektion mit einem Erreger eines viral-hämorrhagischen Fiebers (VHF) aus einem Ausbruchsgebiet, sollte dennoch stets auch eine Malaria in Betracht gezogen werden, da diese unverzüglich behandelt werden muss.
Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten stuft das Risiko für die Bevölkerung in der Europäischen Union aktuell als „sehr gering“ ein. Nach Einschätzung der Behörde ist sowohl die Wahrscheinlichkeit einer Einschleppung als auch einer weiteren Übertragung innerhalb Europas äußerst niedrig. Dennoch warnt das Auswärtige Amt derzeit vor Reisen in die betroffenen Regionen der Demokratischen Republik Kongo.
Die Ebola-Diagnostik erfolgt ausschließlich in spezialisierten Hochsicherheitslaboren. Für die Behandlung möglicher Ebola-Patientinnen und -Patienten steht in Deutschland das STAKOB-Netzwerk bereit. Bereits während des großen Ebola-Ausbruchs in Westafrika 2014 wurden mehrere infizierte Personen unter streng kontrollierten Bedingungen nach Deutschland ausgeflogen und in Spezialzentren behandelt. Solche medizinischen Transporte gelten als sicher und stellen nach Einschätzung der Behörden kein Risiko für die Bevölkerung dar. Aktuell befindet sich ein US-amerikanischer Arzt in Deutschland auf einer Sonderisolierstation, sowie mehrere Kontaktpersonen aus seiner Familie, nachdem dieser im Ausbruchsgebiet Ebola-Patienten behandelt hatte.
Die Bekämpfung des Ebola-Ausbruchs wird international vor allem durch die WHO koordiniert. Deutschland unterstützt über das Robert Koch-Institut sowie internationale Netzwerke wie GOARN und EMT. Zudem wurden im Rahmen des EFFO-Projekts bis 2024 medizinische Fachkräfte in Ruanda für den Umgang mit Ebola geschult.
Der aktuelle Ausbruch zeigt erneut die Gefahr grenzüberschreitender Infektionskrankheiten. Im Vergleich zur Ebola-Epidemie 2014 sind internationale Frühwarnsysteme und Krisennetzwerke heute jedoch deutlich besser vorbereitet.
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