Die Weltgesundheitsorganisation hat am 17. Mai 2026 nach neuen Ebola-Ausbrüchen in der Demokratischen Republik Kongo sowie ersten Fällen in Uganda eine „Gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ ausgerufen. Damit reagiert die WHO auf eine besorgniserregende Entwicklung, die Erinnerungen an die schweren Ebola-Ausbrüche in Westafrika 2014 sowie im Kongo 2019 wachruft.
Mit Stand vom 06. Juli 2026 ist die durch das Bundibugyo-Virus ausgelöste Ebola-Epidemie weiterhin in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) sowie in Uganda aktiv. Dabei wird eine zunehmende Zahl bestätigter und vermuteter Infektions- und Todesfälle registriert.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums der DRK wurden am 05. Juli insgesamt 1.561 bestätigte Fälle gemeldet, darunter 506 Todesfälle im Zusammenhang mit der Krankheit. Zusätzlich wurden 628 Verdachtsfälle erfasst, die derzeit in Isolation hospitalisiert untersucht werden. Betroffen sind die Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu. Ituri ist die am stärksten betroffene Provinz mit 1.417 bestätigten Fällen aus 24 Gesundheitszonen. Davon haben sich inzwischen 254 Personen erholt.
In Uganda wurden bislang 20 bestätigte Fälle registriert, darunter zwei Todesfälle. Nach Angaben von Gesundheitsbehörden standen mindestens fünf Fälle im Zusammenhang mit lokalen Übertragungsereignissen und 15 mit Reisen in die DR Kongo. Sechzehn Personen sind mittlerweile genesen.
Die WHO bewertet die Lage aufgrund der regionalen Mobilität als ernst. Länder mit direkter Grenze zur Demokratischen Republik Kongo gelten als besonders gefährdet. Trotz der internationalen Gesundheitsnotlage empfiehlt die WHO derzeit ausdrücklich keine Grenzschließungen sowie keine Reise- oder Handelsbeschränkungen. Ziel ist es, eine kontrollierte internationale Zusammenarbeit sicherzustellen und wirtschaftliche sowie humanitäre Schäden zu begrenzen.
Der aktuelle Ausbruch wird durch den seltenen Bundibugyo-Stamm des Ebola-Virus verursacht. Dieser Virusstamm wurde erstmals 2007 identifiziert. Damals wurden 131 beziehungsweise 38 laborbestätigte Fälle registriert. Die Letalität lag zwischen 30 und 40 Prozent und damit niedriger als beim bekannteren Zaire-Stamm, der bei früheren Ebola-Epidemien deutlich höhere Sterblichkeitsraten verursachte.
Besonders problematisch ist, dass es derzeit keinen zugelassenen Impfstoff gegen das Bundibugyo-Virus gibt. Zwar existiert bereits ein Impfstoff-Kandidat, dieser befindet sich jedoch noch nicht in Anwendung und ist bislang nur gegen die Zaire-Variante des Ebola-Virus zugelassen. Der Impfstoff zeigte in Tierversuchen jedoch bereits Hinweise auf eine Schutzwirkung gegen den Bundibugyo-Stamm. Eine von der WHO koordinierte Expertengruppe berät sich derzeit über mögliche Impfstoffe gegen die seltene aber potenziell tödliche Ebola-Erkrankung. Auch eine spezifische antivirale Therapie steht bislang nicht zur Verfügung. Die Überlebenschancen hängen daher maßgeblich von einer frühzeitigen Diagnose sowie einer intensiven unterstützenden medizinischen Behandlung ab.
Besteht bei einem fieberhaften Patienten der Verdacht auf eine reiseassoziierte Infektion mit einem Erreger eines viral-hämorrhagischen Fiebers (VHF) aus einem Ausbruchsgebiet, sollte dennoch stets auch eine Malaria in Betracht gezogen werden, da diese unverzüglich behandelt werden muss.
Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten stuft das Risiko für die Bevölkerung in der Europäischen Union aktuell als „sehr gering“ ein. Nach Einschätzung der Behörde ist sowohl die Wahrscheinlichkeit einer Einschleppung als auch einer weiteren Übertragung innerhalb Europas äußerst niedrig. Dennoch warnt das Auswärtige Amt derzeit vor Reisen in die betroffenen Regionen der Demokratischen Republik Kongo.
Außerdem bewertet die WHO die Kontaktverfolgung als nicht ausreichend. Zur Unterbrechung der Infektionsketten müssten nach Angaben der Organisation 90 Prozent aller Kontaktpersonen infizierter Personen identifiziert und überwacht werden.
Die Ebola-Diagnostik erfolgt ausschließlich in spezialisierten Hochsicherheitslaboren. Für die Behandlung möglicher Ebola-Patientinnen und -Patienten steht in Deutschland das STAKOB-Netzwerk bereit. Bereits während des großen Ebola-Ausbruchs in Westafrika 2014 wurden mehrere infizierte Personen unter streng kontrollierten Bedingungen nach Deutschland ausgeflogen und in Spezialzentren behandelt. Solche medizinischen Transporte gelten als sicher und stellen nach Einschätzung der Behörden kein Risiko für die Bevölkerung dar. Es befand sich z.B. ein US-amerikanischer Arzt in Deutschland auf einer Sonderisolierstation, sowie mehrere Kontaktpersonen aus seiner Familie, nachdem dieser im Ausbruchsgebiet Ebola-Patienten behandelt hatte. Der Gesundheitszustand des mittlerweile genesenen Ebola-Patienten war zeitweise wohl äußerst kritisch. Insbesondere die Phase zwischen dem Abflug des US-amerikanischen Arztes aus Uganda und seiner Ankunft in Deutschland galt als lebensgefährlich.
Die Bekämpfung des Ebola-Ausbruchs wird international vor allem durch die WHO koordiniert. Deutschland unterstützt über das Robert Koch-Institut sowie internationale Netzwerke wie GOARN und EMT. Zudem wurden im Rahmen des EFFO-Projekts bis 2024 medizinische Fachkräfte in Ruanda für den Umgang mit Ebola geschult.
Der aktuelle Ausbruch zeigt erneut die Gefahr grenzüberschreitender Infektionskrankheiten. Im Vergleich zur Ebola-Epidemie 2014 sind internationale Frühwarnsysteme und Krisennetzwerke heute jedoch deutlich besser vorbereitet.
Quellen:
Stand 06.07.2026
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